Das Mailing ist tot, lang lebe das Mailing

 

sickkidsHäufig totgesagt und dennoch nicht wegzudenken: Direktmailings. Obwohl Konkurrenzdruck, neue Datenschutzverordnungen und überalterte Spenderdatenbanken Fundraiser*innen in Europa das Leben nicht immer leicht machen, sind Mailings nach wie vor eines der erfolgreichsten FR-Instrumente. Und auch global betrachtet, ist die Zeit des Mailings sicher längst nicht abgelaufen, wie diese Erfolgsgeschichte aus Äthiopien zeigt.

Ein Direktmailing in Äthiopien? Kann das funktionieren? Nadja Weber, die für die NPO „Canadian Physicians for Aid and Relief“ (CPAR) in Äthiopien ein Wiederaufforstungsprojekt betreute, grübelte nicht lange, sondern probierte es einfach aus. Im Workshop eines britischen Fundraisingberaters hatte sie sich über die Grundbegriffe erfolgreicher Direktmailings informiert und auch einige Umschläge mit Beispiel-Mailings anderer Organisationen mitgenommen. Ohne weitere Umstände bastelte die äthiopische Fundraisingpionierin, zurück in Addis Abeba, nach diesen Vorbildern ihr erstes eigenes Mailing-Package: ein emotionales, persönliches Anschreiben, einen Flyer, der das Anliegen anschaulich erklärte und eine Antwortkarte.

Die schwierige Frage, woher sie die Adressen ihrer potentiellen Spender*innen bekommen sollte, löste Nadja kreativ und simpel. In Europa undenkbar: Sie schrieb die Adressen einfach aus dem örtlichen Telefonbuch ab. Einerseits gibt es in Äthiopien noch keine Datenschutzverordnung, die das verbieten würde, und andererseits erreichte sie so genau ihre Zielgruppe: Denn wer sich in Addis Abeba einen Festnetzanschluss leisten kann, kam auch als potentielle*r Spender*in für ihr Projekt in Frage.

Die Erfolgsquote dieses vermutlich ersten Direktmailings Äthopiens war übrigens überwältigend: Während Fundraiser*innen in Deutschland in der Regel mit Responseraten zwischen 0,5 und 8 Prozent rechnen dürfen, brachte ihr erstes Mailing Nadja einen Response von über 40 Prozent ein. Auch, wenn sich dieser ungewöhnliche Erfolg in Deutschland so leider nicht wird nachahmen lassen, erinnert er uns Fundraiser*innen doch daran, dass der gemeinsame Austausch und mutiges Ausprobieren zu unverzichtbaren Disziplinen unserer Faches gehören. 

In diesem Sinne seien Ihnen auch noch einmal unsere medfund-Netzwerk-Termine ans Herz gelegt.

Anm: Diese Geschichte haben wir auf www.sofii.org gefunden (Original in englischer Sprache).